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„Halbzeit. Ich bleibe am Ball.“

Amt Dahme/Mark, den 20.11.2017

Kornelia Wehlan wurde 2013 als Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming gewählt. Nach vier Jahren im Amt zieht sie eine "Halbzeit-Bilanz".

Halbzeit. Seit gut vier Jahren bin ich als Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming tätig. Mein Amt ist alles andere als einfach, die Erwartungen waren und sind sehr hoch. Von Anfang an war mir bewusst, dass der Landkreis und seine Verwaltung vor großen Problemen stehen. Aber ich habe mich 2013 nicht als Landrätin beworben, weil ich scharf war auf ein Amt, sondern weil ich hier in Teltow-Fläming Verantwortung übernehmen wollte – und das weiter tun will, und zwar mit aller Kraft.

Rückblick und Bilanz

Ein Rückblick. Wie war die Situation im September 2013 zu meiner Wahl?

  • Der Landkreis hatte einen Schuldenberg von über 30 Millionen Euro. Er war nur noch eingeschränkt handlungsfähig und stand unter der Aufsicht des Innenministeriums.
  • Die Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Gemeinden und Städten war auf einem Tiefpunkt angekommen.
  • Die Verwaltung war seit längerer Zeit ohne Landrat. Das hatte Auswirkungen auf die Arbeit von Verwaltung und Kreistag. Der von der Verwaltung aufgestellte Haushaltsplan 2013 – er sah eine Erhöhung der Kreisumlage von 47 auf 48 Prozent vor – wurde vom Kreistag abgelehnt. Es gab keine handlungsfähige politische Mehrheit mehr.

Mit welchen Zielen bin ich angetreten, und wo stehen wir heute?

Ziel: Haushaltskonsolidierung hat Vorrang

Der Haushalt unseres Landkreises hat für mich oberste Priorität. Deshalb bin ich sehr stolz darauf, dass der Landkreis im Jahr 2017 – erstmals seit 2004 – kein Haushaltssicherungskonzept benötigt hat. Das war in mehrfacher Hinsicht eine Zäsur, denn Verwaltung, Kreistag und Kommunen haben so einen wichtigen Grundstein dafür gelegt, dass künftigen Generationen die Last von Schulden genommen wird.

Der Weg dorthin war alles andere als einfach und hat nur zum Ziel geführt, weil er – beginnend mit der Haushaltsplanung 2014 – von den Abgeordneten, der gesamten Kreisverwaltung und natürlich den kreisangehörigen Kommunen gemeinsam beschritten worden ist.

Dennoch gibt es keinen Grund, sich zufrieden zurückzulehnen, denn die Situation ist nach wie vor auf das Äußerste gespannt. Nach sehr intensiver Arbeit ist es uns gelungen, den Abgeordneten auch für das Haushaltsjahr 2018 ein Dokument vorzulegen, das auf eine Fortführung der Haushaltsbewirtschaftung ohne Haushaltssicherungskonzept hinausläuft.

Trotzdem bleiben uns – sofern die Abgeordneten dem Entwurf zustimmen – kaum Handlungsspielräume. Auch künftig werden wir gezwungen sein, unsere Wünsche der Realität anzupassen und können nur die Mittel in die Hand nehmen, die uns zur Verfügung stehen. Das wird nicht leicht und erfordert unser aller Mittun.

Ziel: Es geht um ein neues Miteinander im Kreis mit den Städten und Gemeinden

Hier stehe ich zu meinem Wort. In Zeiten knapper Kassen und politischer Herausforderungen bringt es nichts, Gegensätze zu pflegen. Man muss zusammenrücken und das Wort des anderen ernst nehmen. Deshalb haben wir Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Verbände, Vereine und natürlich auch die Einwohnerinnen und Einwohner in viele Entscheidungsprozesse einbezogen – so zum Beispiel in die Erarbeitung unseres Landkreis-Leitbildes.

Die Bürgermeister-Beratungen bei der Landrätin finden nicht wie früher vierteljährlich, sondern monatlich statt. Das gibt uns Gelegenheit, aktuelle Fragen und Probleme gemeinsam zu erörtern und Lösungen zu suchen.

Natürlich kommt es dabei darauf an, dass jeder auf seine Ebene Verantwortung wahrnimmt. Besonders gut hat sich das neue Miteinander im Landkreis gezeigt, als es um die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge ging. Das Thema Integration wird uns natürlich weiter beschäftigen.

Ziel: Für eine neue Qualität im Verwaltungshandeln

Ich habe von Anfang an betont, dass unsere Verwaltung gut aufgestellt ist und eine ausgezeichnete Arbeit leistet. Dabei sind es nicht nur die nüchternen Zahlen, die unser Tagesgeschäft bestimmen. Leere Kassen schließen weder Kompetenz noch Fairness oder Freundlichkeit aus. Das gilt im Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch innerhalb unseres Hauses oder in der Zusammenarbeit mit den Kommunen.

Leider haben sich die Rahmenbedingungen der Arbeitswelt besonders in den vergangenen Jahren gravierend verändert. Arbeitsverdichtung, Fachkräftemangel und nicht zuletzt die gestiegene Erwartungshaltung an den öffentlichen Dienst sorgen dafür, dass die Kreisverwaltung als Dienstleister für Bürger und Bürgerinnen unter einem besonderen Augenmerk steht. Dem müssen wir uns stellen.

Umso wichtiger ist es, dass wir in den vergangenen Jahren viele Felder beackert haben, die sehr lange brach lagen. Ich bin sehr froh darüber, dass es uns gelungen ist, ein Personalentwicklungskonzept aufzustellen. Die Verwaltungsstruktur wurde verändert und den Erfordernissen angepasst. Wir haben Leitlinien der Zusammenarbeit und der Führung in der Kreisverwaltung definiert. Eine neue Arbeitszeitregelung gewährt Freiräume und Flexibilität. Nichts von dem wurde „von oben“ beschlossen, sondern in Arbeitsgruppen erörtert und gemeinsam erstellt.

Verwaltungshandeln wird und muss sich ändern. Nach der gestoppten Kreisgebietsreform – eine Entscheidung, die ich für richtig und längst überfällig erachtet habe – geht es darum, Land und Kommunen demografiefest zu machen. Das funktioniert nur über die Digitalisierung – E-Government oder E-Rechnung sind nur zwei von vielen Stichworten. Ziel muss es sein, dass Verwaltung auch in peripheren strukturschwachen Regionen erlebbar bleibt.

Ziel: Wir brauchen gute Lebenschancen in Teltow-Fläming

Mit meiner Arbeit wollte und will ich dazu beitragen, dass Teltow-Fläming auch künftig lebens- und liebenswert bleibt. Familien und besonders junge Menschen sollen in unserer Region Lebenschancen mit Perspektiven für gute Arbeit finden und ihren Familien die Zukunft sichern können. Dafür wollte ich Kräfte bündeln – ehrlich und kompetent.

Ich freue mich, dass immer mehr Menschen in den Landkreis ziehen. Hatte er vor zehn Jahren noch ca. 162.000 Einwohnerinnen und Einwohner, so sind es aktuell rund 167.000 – Tendenz steigend. Gibt es einen besseren Beweis für die Attraktivität einer Region? Die Geburtenzahlen sind stabil, Kita-Plätze gefragter denn je. Die Konjunktur brummt, und die Arbeitslosenzahlen liegen mit 5 Prozent auf einem historischen Tief. Ein gutes Beispiel für die Bündelung von Kräften ist für mich auch die Gründung der Jugendberufsagentur.

Ziel: Teltow-Fläming hat starke wirtschaftliche Potenziale. Diese gilt es zu nutzen

Teltow-Fläming zählt, wie diverse Rankings immer wieder feststellen, zu den wirtschaftlich interessantesten Standorten Ostdeutschlands. Erst zu Beginn dieses Jahres sah uns Focus Money auf Platz 74 im bundesweiten Vergleich von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten. In den neuen Bundesländern wurde nur die Stadt Leipzig besser als wir bewertet.

Das hat gute Gründe: Wir haben eine florierende Wirtschaft mit einem gesunden Mix aus weltweit agierenden Konzernen, Großbetrieben sowie klein- und mittelständischen Unternehmen. Sie alle werden von der Verwaltung und der Wirtschaftsförderung mit der gleichen Aufmerksamkeit bedacht. Hinzu kommen eine hervorragende Infrastruktur, gut ausgebildete Fachkräfte … und natürlich die Landwirtschaft mit ihren rund 400 Unternehmen.

Wirtschaftsstärke und Einwohnerzuwachs sind mit sehr vielfältigen Anforderungen verknüpft. Es geht u. a. um ausreichende Wohnflächen, bezahlbaren Wohnraum, die Sicherung eines attraktiven Nahverkehrs und um Mobilität im weitesten Sinne. Kitaplätze, Schulen, soziale Einrichtungen und mehr sind dem Bedarf anzupassen. Dabei legen wir Wert auf eine ausgewogene und zukunftsorientierte Entwicklung. Deshalb haben wir uns mit dem Kreistag Teltow-Fläming und den Kommunen auf gemeinsame Ziele und konkrete Handlungsansätze verständigt.

Bilanz und Ausblick

Über den Erfolg oder Misserfolg meiner Arbeit mögen andere urteilen. Ich bin mir jedoch sicher, dass wir auf einem guten Weg sind. Ob nach 100 Tagen oder nach vier Jahren im Amt gilt: Ich habe nicht auf jede Frage die allein gültige Antwort und keine Schublade, aus der ich nur noch die fertigen Konzepte und die unumstößlichen Wahrheiten ziehen muss.

Deshalb baue ich auch künftig auf die Fachkompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auf die Unterstützung der Abgeordneten und das Miteinander der Kommunen in der Region. Und ich setze auch künftig auf Offenheit, Transparenz und die Bereitschaft, einander zuzuhören – nach innen wie nach außen. Das sind für mich keine Floskeln, sondern Prinzip des Handelns.

Ja, die Verantwortung für unsere Region wiegt schwer. Aber ich habe sie gern übernommen. Und ich bleibe am Ball.

 

Kornelia Wehlan,
Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming